Zurück in der Heimat. Auch für mich ist es das erste mal seit langer Zeit, dass ich wieder einen Schritt in mein geliebtes Ruhrgebiet setze. Und genauso ergeht es dem Punk im Pott, dass nach seiner Flucht ins Exil im vorigen Jahr nun doch wieder die Oberhausener Turbinenhallen bewohnen darf. Allerdings wurden hierfür auch die städtischen Auflagen erhöht und ein komplett neues Eingangskonzept entwickelt – das gefällt. Anstatt sich wie bekloppt vor dem Eingang zu quetschen wird dieses Jahr zunächst die Bändchenausgabe außerhalb der Halle vollzogen wird und der Eingang bereits vor den Treppen hinauf zu der eigentlichen Halle positioniert.
Die erste Enttäuschung erwartet einen dann aber auch schon direkt am Sonntag, dem ersten Tag des Festivals: Eisenpimmel haben aus Krankheitsgründen absagen müssen. Aber Organisationstalent und Veranstalter Alex hat einen ebenbürtigen Ersatz aufgetrieben. Contra D spielen ihr zweites Konzert in angeblich zwölf Jahren und präsentieren sich selbst als die Lieblingsband von zuvor genannten Eisenpimmel. Der große Hit „Sex mit Kommissar Rex“ wird von allen 30 Zuschauern frenetisch mitgegröhlt. Die folgenden Musikgruppen erwecken nur ein sekundäres Interesse und bleiben deshalb eher irrelevant und nicht erwähnenswert bis auf die glorreichen Parasiten. Diese spielen in 2010 leider ihr Abschiedskonzert, geben aber auch hier alles, reißen das anwesende Publikum mit und haben sogar ihren eigenen Hansa-Pils-Schrein vor dem Schlagzeug postiert. Das ganze wird allerdings noch dadurch getoppt, dass die weiblichen Bandmitglieder in sexy Schulmädchenoutfits auftreten. Alle Klischees erfüllt. Großartig.
Die Halle füllt sich allmählich und Die Skeptiker reißen die anwesenden Irokesen mit einem Cover von Frauenarzt und Manny Marcs „Das geht ab“ mit. Die Halle brodelt also richtig bevor der erste echte Headliner des Abends die Bühne betritt: Die Lokalmatadore aus Mühlheim Ruhr. Professionell und routiniert liefern sie alle Hits, die eine lautstarke Gruppe an textsicheren Fans im Publikum mitsingt. Ähnliches wird bei Rantanplan geboten, die ebenfalls routiniert aber deutlich besser als noch vor einigen Jahren besonders dadurch auffallen, dass sie weiterhin verstärkt auf alte Songs zurückgreifen, die auch beim Publikum besser anzukommen erscheinen.
Direkt danach bereitet sich die Halle auf alles vor. Grund sind die Kassierer, die nun die Bühne entern und die gewohnte Show liefern. Alle Hits zum mitsingen, Wölfi nackt und Finger in Po…? Nein! Für dieses Fest ist ein neuer Trick ausgetüftelt worden. Und zwar darf der umtriebene Schlagzeuger Volker Kampfgarten dieses mal seinen Gitarre spielenden Kollegen Niko in den Mund kacken. Diese Aktion scheint so revolutionär zu sein, dass die Schlabberpunker in enthusiastischen Jubel ausbrechen. Immerhin war es mal ein neuer Move.
Auf dem Rückweg ist die Begeisterung immer noch groß, aber der Alkoholpegel lässt zu wünschen übrig. Es fehlt eindeutig ein Cocktailstand in und auf diesem Festival. Aus diesem Grund verzögert sich auch unsere Ankunft am nächsten Tag, da wir noch Schnaps vortrinken mussten. Immerhin sind wir pünktlich dort, um zu Betontods letzten Songs zu schunkeln und alte Freunde und Bekannte zu begrüßen. Einziges Manko: wir haben den Rest verpasst. Aber, wie jeder weiß, kommen die wirklich guten Bands sowieso erst zum Schluss und die Stimmung unter den Anwesenden steigt auch erst mit dem gleichzeitig empor schellenden Alkoholpegel. Somit haben wir nicht wirklich viel verpasst und rüsten uns mit Bier aus, um der nächsten Band würdig entgegen zu treten. Denn Knochenfabrik spielen ihr x-tes Abschiedskonzert und können dieses mal sogar alle Texte. Bemerkenswert ist, dass Claus die gleichen Witze macht, wie bereits ein Jahr zuvor und niemand scheint sich persönlich beleidigt zu fühlen. Vielleicht haben wirklich alle solidarisch in ihrer eigenen Kotze geschlafen.
Nächste Band: Dritte Wahl. Eigentlich kann man zu denen nichts mehr schreiben, was nicht schon irgendwer vor einem gesagt hat. Die Band spielt außerordentlich gut, ist tierisch alt und hat es immer noch drauf, die Masse mitzureißen. Ein Urgestein, dass seinen Platz bei den Größen der Szene hart aber verdient erkämpft hat.
Zu guter Letzt entert die Amsterdamer Reggaeband Jaya the Cat die Bühne und liefert einen unglaublichen Auftritt ab, selbst wenn man selbst kein großer Anhänger dieser Musik ist. Aber der Zeitpunkt und das unglaubliche Performance Talent der Gruppe reißt jeden in seinen Bann, so dass kurze Zeit später in der inzwischen wieder schnell leer gewordenen Halle alle noch dort Verbliebenen in irgendeiner Art und Weise sich am Bewegen sind. Es herrscht beinahe eine Art Besinnlichkeit die so kurz nach dem Fest für allgemeine Erheiterung sorgt.
Zusammenfassend lässt sich zu dem Festival sagen, dass es organisatorisch auf allerhöchsten Niveau durchgeführt wurde. So reibungslos hat vermutlich noch nie alles geklappt. Einzige Mankos sind dahingehend auch nur Kleinigkeiten: der fehlende (erwähnte) Cocktailstand für den ein oder anderen Kurzen und die Dreistigkeit, die Halle zu beheizen. Seit Jahren ist man daran gewohnt, dass es in der Halle kälter ist als draußen und zieht sich entsprechend an oder trinkt die Differenz, die fehlt. Doch all dies fehlte dieses Jahr. Nun mag der ein oder andere widersprechen. Doch ein Punk im Pott besteht nun mal aus vier Faktoren: viele Irokesen, gute Punkbands, viel Alkohol und einer kalten Location. Und das ist auch gut so.
aber das waren doch die verlorenen jungs die fraunarzt gespielt haben.
richtig! steht sogar bei mir im bericht, obwohl ich das gar nich gesehen hab sondern mir nur von phil habe erzählen lassen. wobei, von den skeptikern fänd ichs irgendwie lustiger
Ich bin mir sicher, dass das erst nach den Parasiten kam. Aber wenn ihr euch so sicher seid…
wir sind halt vernünftig und trinken uns nicht alle gehirnzellen weg, so wie du. beweise wer den song gespielt hat gibts übrigens bei youtube